Erlkonig
[00:32.95] Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
[00:41.45] Es ist der Vater mit seinem Kind:
[00:48.10] Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
[00:54.48] Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.
[01:07.23] „Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?“
[01:15.46] „Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
[01:23.43] Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif?“
[01:31.93] „Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.“
[01:41.51] „Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
[01:48.17] Gar schöne Spiele spiel’ ich mit dir;
[01:54.54] Manch’ bunte Blumen sind an dem Strand,
[02:01.20] Meine Mutter hat manch gülden Gewand.“
[02:05.98] „Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
[02:12.62] Was Erlenkönig mir leise verspricht?“
[02:19.26] „Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind:
[02:22.98] In dürren Blättern säuselt der Wind.“
[02:28.84] „Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
[02:32.04] Meine Töchter sollen dich warten schön;
[02:35.21] Meine Töchter führen den nächtlichen Rein
[02:38.67] Und wiegen und tanzen und singen dich ein.“
[02:47.17] „Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
[02:53.29] Erlkönigs Töchter am düstern Ort?“
[02:59.68] „Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es genau:
[03:05.54] Es scheinen die alten Weiden so grau.“
[03:16.43] „Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
[03:21.74] Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt.“
[03:28.12] „Mein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an!
[03:35.29] Erlkönig hat mir ein Leids getan!“
[03:42.46] Dem Vater grausets, er reitet geschwind,
[03:48.04] Er hält in Armen das ächzende Kind,
[03:57.07] Erreicht den Hof mit Mühe und Not:
[04:05.31] In seinen Armen das Kind war tot.
